Die Kommunikation in der Luftfahrt ist weltweit standardisiert.  Wir Piloten und Pilotinnen lernen die Kommunikation in der Flugfunkausbildung und legen dazu eine Prüfung ab.  Es sind keine ganzen Sätze,  sondern Phrasen z.B.: „Fliegen Sie Steuerkurs 330° – Fly Heading 330“. Die Fliegersprache ist eine „Kommandosprache“ ohne Füllwörter und Ablenkung. 

Es ist eine sehr technische Sprache ohne Emotionen, zumindest in den meisten Fällen.

Der «Closed Loop» ist die DNA der Sprache im Cockpit.

Missverständnisse und Fehler sollen im Cockpit durch den sogenannten „Closed Loop“, die „geschlossene Kommunikationsschleife“ vermieden werden. 

Wir Pilotinnen und Piloten versichern uns durch eine Rückbestätigung, dass die verstandenen und zurückgemeldeten Infos korrekt sind.  Missverständnisse können so vermieden werden. 

Die Kommunikation im Cockpit ist komplett sachlich, wertfrei und sehr klar verständlich. 

Wenn mir während des Fluges die Frage aufkommt – wie etwas gemeint ist, sagen wir in der Fliegerei: „Say again“. Ganz einfach! 

Die Sprache in der Luftfahrt, die „Voice“ wird ausserdem weltweit mit identischen Sprechgruppen angewendet. 

Nach dem katastrophalen Unfall auf Teneriffa mit zwei Jumbos 1977 wurde z.B. die Startfreigabe neu formuliert und für alle verbindlich festgelegt.  Seitdem wird genau zwischen  «ready for departure» (abflugbereit) und «cleared for takeoff» (tatsächliche Startfreigabe) unterschieden. 

Viele Unfälle haben letztendlich neben aller Tragik aber auch dazu geführt, dass wir die heutigen Sicherheitsstandards haben und das Flugzeug zu Recht zum sichersten Verkehrsmittel zählt. 

Es geht in der Kommunikation aber nicht nur darum zu hören, was mir mein Gegenüber sagt, sondern auch darum es zu VERSTEHEN und das ist das Wichtige dabei – nicht zu interpretieren! 

In der Fliegerei sagen wir „Never assume“, nimm nie etwas an, ohne es wirklich zu wissen.

Wenn wir dies direkt in das Berufs- und Privatleben übersetzen, dann wäre manches einfacher. 

Kennt Ihr das, wenn Ihr mit jemandem in Kontakt seid und Euch die Frage stellt – wie hat er oder sie das gemeint?  Wie häufig stellt Ihr dem Gegenüber die Frage dann auch wirklich? 

Wir möchten Euch einladen, dies gerade in der aktuellen, eher anspruchsvollen Situation öfter zu tun.

Natürlich ist es für uns in der täglichen Kommunikation mit unseren Mitmenschen nicht möglich, so zu kommunizieren, wie wir es im Flugzeug oder Helikopter tun. 

Hier „auf dem Boden“ pflegen wir einen Umgang, der auch von Emotionen, Befindlichkeiten und unterschiedlichen Perspektiven und Stimmungen geprägt ist. 

Dazu kommt die non-verbale Kommunikation (Gestik, Mimik, Körperhaltung). 

Und gerade in Zeiten wie diesen, in denen wir beruflich zu einem sehr häufig online über Skype, Zoom usw. kommunizieren, wird es noch herausfordernder, wirklich mitzukommen, wie es der andere genau meint.

Wir empfehlen in Meetings und Gesprächen auch den Weg „weg vom Problem, hin zur Lösung“. 

Wir halten uns oft sehr lange mit der Definition und den Details des Problems auf. 

Wesentlich effizienter wäre es, sich schneller den Lösungen zuzuwenden. 

In Krisenzeiten und in herausfordernden Situationen – bedingt durch Stress und der damit verbundenen Dünnhäutigkeit – steigt die Wahrscheinlichkeit für Missverständnisse und Unklarheiten. 

Gerade bei den vielen digitalen Meetings ist es jetzt z.B. noch wichtiger, die Verantwortlichkeiten klar zu definieren und festzulegen: „Wer macht eigentlich was bis wann?

Bei der Kommunikation lässt sich auch die Beziehung zum Gesprächsgegenüber nicht ausklammern.  Ob es sich um eine partnerschaftliche und gleichberechtigte oder durch einseitige Abhängigkeit geprägte Beziehung handelt, spielt für die Kommunikation eine besondere Rolle. 

Häufig sind es unsere Kommunikationsmuster, die uns einholen – unser Kommunikationsstil ist durch unsere Kindheit geprägt, wo wir unter anderem die inneren Antreiber und bestimmte Glaubenssätze entwickelt haben.  Sich deren bewusst zu werden, ist bereits der erste Schritt zur Lösung.

Aber welche Methoden können wir uns aneignen, um bewusster und schlussendlich auch klarer, sachlicher und wertfreier zu kommunizieren? 

Neben dem „aktiven Zuhören“ sind das detaillierte Rückfragen sowie ein Perspektivenwechsel sehr wirksame Möglichkeiten, die Sichtweise des Gegenübers besser zu verstehen und zu reflektieren.

Dafür lohnt es sich, sich wirklich mal im Detail zu überlegen, wie die Situation sich aus der Sicht des Gegenübers gestaltet. 

Es gibt dazu schöne Zitate, z.B. von Antoine de Saint-Exupéry: 

«Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung». 

Abstand und ein Perspektivenwechsel kann uns in schwierigen Situationen wieder mehr Klarheit und einen anderen Blick auf die Dinge bringen. 

Wir können auch wiederholen und paraphrasieren, um sicherzustellen, dass wir unser Gegenüber richtig verstanden haben. 

Wir möchten Euch gern einladen, Euch selbst in den nächsten Tagen und Wochen zu beobachten und wenn ihr diesen Moment habt, wo ihr Euch fragt wie Euer Gegenüber das gerade gemeint hat, habt den Mut, sie oder ihn nochmals genauer zu fragen.

Oder vielleicht probiert Ihr in bestimmten Situationen mal etwas Neues aus und durchbrecht damit alte Kommunikationsmuster, die sich in der Vergangenheit nicht bewährt haben.

Nicht zuletzt sagt hier Paul Watzlawik, einer der bekanntesten Kommunikationswissenschaftler:

Und wenn das was Du tust, Dich nicht weiterbringt, dann tue etwas völlig anderes, anstatt mehr vom gleichen Falschen!»