Focus on your horizon – behalte den Blickpunkt am Horizont und verliere Dich nicht in kleinteiliger Navigation. Was heisst das überhaupt genau?

Hattet Ihr auch schon solche Momente, wo Ihr am Ende des Tages die To-Do-Liste mal wieder nicht geschafft habt oder Euch sogar orientierungslos gefühlt habt? Im Sinne, was mache ich eigentlich? Und Ihr habt gemerkt, dass Ihr den Fokus auf das Wesentliche verloren habt, da Ihr vom Hundertsten ins Tausendste gekommen seid? 

Im Cockpit wäre das noch recht unschön, wenn man sich plötzlich fragt, wo man eigentlich ist, oder? Kein Passagier würde noch ruhigen Gewissens bei uns einsteigen, wenn er nicht sicher wäre, dass wir da vorne wissen was wir tun, unser Ziel kennen und fest im Blick haben – und trotzdem genug Überblick bewahren, auch mal von der eigentlichen Planung abzuweichen. 

In der Kleinfliegerei fliegen wir nach Sicht, wir sind darauf angewiesen den Horizont zu sehen, denn er ermöglicht uns die sichere Flugdurchführung. Ohne entsprechende Instrumente und dazugehöriger Ausbildung kann ein Flug ohne Blick zum Horizont nämlich ganz schnell lebensgefährlich werden.

Denn – in der Wolke, ohne Instrumente zur Kontrolle, dauert es erwiesenermassen weniger als 30 Sekunden bis der Mensch die Orientierung, also den eigenen Horizont, verliert und in irgendwelche unschönen Flugzustände wie Trudeln gerät. 

Der Fokus am Horizont kann auf einem Flug verschiedenes heissen. Auf einem Flug nehmen wir Kurs auf ein definiertes Ziel. Hierbei ist die Vorbereitung das A und O, besonders wenn man mit Gästen fliegt. Da sind viele Ablenkungen vorprogrammiert. Die Gäste sind sich häufig nicht bewusst, was alles dahinter steckt, ein Fluggerät zu steuern. Es wird geredet, gefilmt und fotografiert und als Pilot darf man sich nicht ablenken lassen, muss stets die Rahmenbedingungen beachten und navigieren. Es kann schnell passieren, dass man sich in kleinteiliger Navigation verliert oder durch äussere Einflüsse wie die erwähnten Passagiere oder beispielsweise Wind vom Kurs abtreiben lässt. 

Erlauben es die äusseren Bedingungen nicht, direkt auf das Ziel zuzufliegen, ist es wichtig, sich auf das grosse Ganze zu fokussieren, nämlich das Fliegen. Oder im Zweifel auch umzudrehen oder gar nicht erst zu starten – auch wenn man enttäuschte Gäste in Kauf nehmen muss. 

Fly the aircraft first! 

Fly the aircraft first! Wir können dies gar nicht genug betonen. Die Reihenfolge ist aviate – navigate – communicate.

Diese Komponenten sind allerdings nicht nur im Cockpit wichtig. Man kann diesen Grundsatz in viele Geschäftsbereiche transferieren. Eines unserer Kerngebiete ist das Krisenmanagement. Aviate – navigate – communicate passt auch hier nahezu perfekt! Wie häufig haben wir schon beobachtet, dass in Krisen der Blickpunkt am Horizont verloren gegangen ist und man sich in kleinen unwesentlichen Details verloren hat. Dabei ist genau dieser Fokus entscheidend, den Flieger respektive das Unternehmen sozusagen in der Luft zu halten. Das Aviate geht in so einem Moment verloren. Die gute Nachricht dabei ist, dass man diese Arbeitsweise trainieren kann. Ähnlich wie wir Piloten die Verfahren immer und immer wieder durchführen und verinnerlichen, kann man auch als Team Krisenübungen oder als Projektteam Kommunikationsübungen absolvieren. Der Lerneffekt ist beachtlich und eine Verbesserung der Performance sehr oft schon beim ersten Mal direkt sichtbar.

Wir stellen uns aber auf den Standpunkt, dass das beste Krisenmanagement-Tool nichts wert ist, wenn die Mitarbeiter nicht fit sind in der Anwendung, um sich von Krisensituationen oder auch einfach stressigen oder herausfordernden Situationen schnell zu erholen und gesund bleiben – in anderen Worten: sie müssen resilient sein. Und genau hier liegt auch der Fokus unserer entwickelten Modelle und unserer Consulting-Arbeit. Der Corporate Factor und der Human Factor müssen zwingend Hand in Hand gehen.

Gerade in Krisen- oder Changeprozessen, wobei eine Krise meist einen Changeprozess zur Folge hat, ist es schnell passiert, dass wir das Gefühl haben, dass uns die Kontrolle aus der Hand entgleitet. 

Nehmen wir die aktuelle Krise als Beispiel: Wichtig ist, dass wir uns als Unternehmen und als Einzelpersonen fragen: Wo stehen wir angesichts der Corona-Pandemie? Was kommt in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zu? Und wie können wir als Unternehmen oder Einzelperson möglichst gut agieren?

An dieser Stelle möchten wir unser neu entwickeltes Model «CLEAR ME FORDPEC» erwähnen, welches den Anwender systematisch genau durch solche Krisen- und Change Prozesse führt. Wer mehr dazu erfahren möchte, darf uns ehr gerne kontaktieren. Was ursprünglich aus dem Decision Making Tool FORDEC von der NASA entsprungen ist,haben wir weiterentwickelt, um genau die beiden Aspekte der organisatorischen aber eben auch menschlichen Steigerung der Resilienz zu vereinen. Wir sind überzeugt, dass Hand in Hand auch vermeintlich aussichtslose Situationen gemeistert werden können.

Umso wichtiger wird der «Fokus auf den Horizont». Der persönliche «Horizont» kann auch aus kleinen Etappen bestehen und rollend sein. Das ist eine weitere Analogie zum Fliegen. Wir evaluieren ständig. Wo wir gerade stehen, woher wir kommen und wohin wir uns entwickeln können und werden. Schritt für Schritt. Hier gibt es verschiedene Modelle, derer man sich bedienen kann.

Im Vordergrund aber steht immer – den Fokus auf das Wesentliche nicht zu verlieren. 

Anerkennen, dass wir uns in einer multiplen Krise befinden (Gesundheitskrise, ökonomische Krise, etc.) und die damit verbundene Unsicherheit annehmen – persönlich wie beruflich.

Nie waren Leadership, Self-Leadership und Kommunikation wichtiger. Trotz gelegentlicher Panik und Chaos dürfen wir genau jetzt den Fokus auf den Horizont nicht verlieren.

Aber lenken wir den Blick nochmal ins Airline Cockpit. Wir brauchen eine ganzheitliche Sicht. Wir haben eine Menge Datenmanagement im Cockpit. Es braucht ein hohes Situationsbewusstsein und einen vorausschauenden Aspekt. Wir müssen die richtigen Schlüsse aus der großen Menge der eingehenden Daten ziehen. Mit anderen Worten: Wir versuchen, dem Flugzeug immer voraus zu sein, und dabei eben das grosse Ganze – also den Horizont – nicht aus den Augen zu verlieren. Im Airline Cockpit nennen wir das «Situational Awareness». Nicht auszumalen, was passieren würde, wenn wir uns in kleinteiliger Navigation verlieren würden.

Fokus auf den Horizont bedeutet Prioritäten setzen. Wir müssen Wichtiges von Unwichtigem oder weniger Dringendem unterscheiden und entsprechend beurteilen können. Wir alle kennen ja bestimmt das Eisenhower-Prinzip. Priorisieren heisst Eigenverantwortung übernehmen – also Self-Leadership.

Wir alle kennen bestimmt Situationen – die To Do-Liste kennt kein Ende und alle Mitarbeiter wollen noch etwas von einem bevor man in die Ferien geht. Was nun? Option 1: Bis in die Morgenstunden alles mehr oder weniger abarbeiten Option 2: Priorisieren, Delegieren, on hold setzen.

Aus dem Leadership und High-Perfomance Coaching gibt es sehr wertvolle Ansätze. Viele Leute arbeiten hart aber nicht notwendigerweise smart. Viele Jobs sind wie Spitzensport. Und so sollte man sich auch verhalten. Hier sprechen wir aus persönlichen Erfahrungen zum Einen als Pilotinnen, aber auch als Coaches und Consultants, wo immer wieder diese Ressourcen-Themen aufkommen.

KEIN Mensch ist in der Lage 24 h über mehrere Tage im Krisenmodus zu arbeiten ohne dabei gesundheitliche Folgen davonzutragen. Smarte Ressourcen-Aufteilung ist ein grosses Thema, welches wir in einem späteren Blog separat aufnehmen werden. 

Für eine smarte Ressourcen-Aufteilung lohnt es sich, inne zu halten und den Blick nach innen zu richten. Dieser innere Dialog ist wichtig, denn dort beginnt die Selbstführung und auch die Führung. 

Wer sich selbst führen kann, handelt eigenverantwortlich und kann damit auch seine  Ziele weiter vefolgen.

Wir haben eine Vielzahl an Informationen, Eindrücken und Einflüssen, die in Krisen auf uns einprasseln und eine Entscheidungsfindung häufig erschweren. Selbstführung ist hier umso wichtiger. 

Und hier möchten wir noch das unscheinbare aber umso wichtigere Wort «Nein» aufbringen. 

Diese Situation kennen bestimmt die meisten von Euch: eigentlich wolltet Ihr «Nein» sagen, als Euch Euer Chef bat, eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen. Denn Eure Pendenzenliste ist ellenlang. Aber dann habt Ihr doch wieder zugesagt. Warum?
Und das bringt uns wieder zum ersten Punkt. Kennt Ihr Eure Prioritäten? und wann habt Ihr zuletzt Nein gesagt, um Euren Fokus am Horizont nicht zu verlieren?

Wir wünschen Euch einen guten Fokus, wenn Ihr über diese Themen nachdenkt.

Happy Landings!

Wenn Ihr mehr über unsere #clearedtoland journey –  die Keynotes, Workshops, unser Consulting und Coaching erfahren wollt, kontaktiert uns auch über unsere Website, bzw. unter info@clearedtoland.ch. 

Dort haben wir aus aktuellem Anlass Krisen- und Change-Management Angebote aufgeschaltet.